
Ohne den Winter ist der alpine Tourismus nicht vorstellbar
Aus Sicht von Hubert Siller, dem Leiter von MCI-Tourismus, wird es den Wintertourismus in naher Zukunft nicht mehr in der bisherigen Form geben. Es braucht eine Anpassung an die Veränderungen der Lebensräume, die beispielsweise durch künstliche Beschneiung erfolgen soll. „Wir müssen nun im Kleinen Verantwortung übernehmen“, so Siller. Der Tiroler Tourismus habe sich bereits aus eigenem Antrieb ökologisch nachhaltiger gestaltet, wie etwa durch umweltfreundliche Mobilität.
Carla Reemstma von Fridays for Future Deutschland ist eine solche Reaktion zu wenig: „Es erschreckt mich, mit welcher Ignoranz gerade gesagt wird: ‘Dann verändern wir halt alles ein bisschen“. Es reiche längst nicht, sich einfach innerhalb einer Branche wie dem Tourismus sich an den Klimawandel anzupassen. Es braucht konkrete Maßnahmen von der Politik für eine Senkung der CO2-Emissionen, um den vom Menschen gemachten Temperaturanstieg zu stoppen - und eine „Ehrlichkeit seitens des Tourismus“. Denn Kunstschnee habe negative Auswirkungen auf die Umwelt, insbesondere auf die Biodiversität, er benötige Speicherteiche und erhöht auch die Kosten der Skigebiete.
„Wir haben in Österreich genügend Pistenkilometer“
Die Alternative wären neue Skigebiete in höheren Regionen, womit die schwindenden Gletscher wieder Thema sind. „Wir fordern einen umfassenden Gletscherschutz, also keine Baggerarbeiten, Sprengungen oder Ausweitungen mehr“ so Ursula Bittner, Sprecherin bei Greenpeace Österreich. Greenpeace fordere einen „moralischen Umgang“ mit Gletschern – auch auf politischer Ebene und auch über gesetzliche Vorlagen hinaus. Und Bedarf gibt es aus Sicht von Bittner ohnehin nicht: „Ich glaube, wir haben in Österreich genügend Pistenkilometer“, stellt sie fest.
Eine Anpassung an die Natur sei nötig und so sollten laut Bittner die Skisaisonen nicht schon im Oktober beginnen. Auch der Österreichische Alpenverein kämpft mit den Folgen des Klimawandel: Zugänge zu Hütten sind durch Starkregen und Gletscherabgängen oft nicht mehr begehbar – „Aber wie weit stehen wir als Alpenverein noch für Naturschutz, wenn wir anfangen eine Infrastruktur aufzubauen?“ Ein massiver Ausbau von Wanderwegen wäre nötig, um diese aufrechtzuerhalten. Bei Verschwinden der Gletscher müssen außerdem neue Wasserleitungen installiert werden, um die Versorgung der Hütten zu garantieren. Nichtsdestotrotz gibt es kaum eine Möglichkeit den Klimawandel im Alpinraum aufzuhalten, bis 2050 wird laut Glaziologin Andrea Fischer die Anzahl der Gletscher in Österreich auf 5 Prozent sinken – ob der Silvretta Gletscher an der Grenze zu Ischgl, den Vernagtferner im Ötztal oder der Hallstätter Gletscher am Dachstein – sie alle haben ein rasch nahendes Ablaufdatum.
Redaktion: Magdalena Stern
Kategorie: Artikel
Datum: 04.6.2025
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